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"Farbe ist wie ein Virus"

Annette Jahn - 01/2011
Entwürfe mit Farbgestaltungen machen die Ideen der Fachfrau für den Kunden plastisch.

Weiterbildung im Handwerk,
Annette Jahn: "Man betrachtet die Umgebung mit anderen Augen"
(Quelle: Wendlinger Zeitung / Nürtinger Zeitung, 20.01.2011)

Welchen Einfluss Farbe auf uns hat, das erfahren wir fast täglich - ohne manchmal jedoch zu wissen, warum wir gerade aggressiv reagieren oder uns in einer Umgebung besonders wohlfühlen. Farben können Stimmungen und Gefühle beeinflussen, mehr als wir bisweilen für möglich halten.

Umso mehr müsste man beim Einrichten der eigenen vier Wände auf die Ratschläge von Farbberatern beziehungsweise Farbgestaltern hören. In der Mode setzen inzwischen immer mehr Menschen auf die Tipps von Stylisten, die ihre Klientel in Stilfragen, aber vor allem bei der Wahl der Farben beraten. - Warum also nicht auch beim Einrichten einer Wohnung oder beim Bezug eines neuen Hauses einen Farbberater beziehungsweise Farbgestalter zu Rate ziehen?!

Innenarchitekten, Wohnstylisten, Inneneinrichter gibt es längst, doch den Beruf des Diplom-Gestalters für Farbe und Raum (SAF) erst seit kurzer Zeit. Der Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade bietet für Unternehmer und Unternehmerinnen, Büroleiter(innen), Führungskräfte, Meister und Meisterfrauen verschiedene Weiterbildungen an im eigenen Schulungszentrum für Ausbau und Fassade (SAF) in Rutesheim an. Annette Jahn vom gleichnamigen Stuckateurbetrieb in Wendlingen hat diese Ausbildung absolviert. Gerade hat sie ihre Abschlussprüfung bestanden und darf sich künftig zertifizierte Gestalterin für Farbe und Raum (SAF) nennen. Als nächster Schritt steht nun die Diplomarbeit an.

Weshalb Annette Jahn überhaupt die Weiterbildung gemacht hat, nachdem Farbe für einen Stuckateurbetrieb nichts Ungewöhnliches ist, das erklärt sie so: "Die Ausbildung hat rein gar nichts mit Farbkarten zu tun, die man an die Fassade hält." Dagegen lassen sich mit Farbtheorien und nachvollziehbaren Kriterien erläutern, warum die eine Farbe stimmig ist und eine andere nicht. "Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass bestimmte Farben ein Unwohlsein hervorrufen. Als Farbberater beziehungsweise Farbgestalter können Sie das Unwohlsein nachvollziehbar begründen", lacht Annette Jahn. Freilich hat die Ehefrau eines Stuckateur-Meisters die Weiterbildung vor allem als zusätzliches Angebot für den eigenen Betrieb aufgegriffen.

Nachdem sie jedoch den Grundkurs, der als Voraussetzung für den Diplom-Gestalter vonnöten war, absolviert hatte, war es um sie geschehen: "Farbe ist wie ein Virus - wenn Du dich einmal damit intensiv auseinandergesetzt hast, dann bist Du nicht nur fasziniert, sondern für immer infiziert." Heute, nachdem sie ihre Abschlussprüfung mit Erfolg abgeschlossen hat und gerade an ihrer Diplom-Arbeit schreibt, betrachtet sie ihre Umwelt mit ganz anderen Augen. "Der Fotoapparat liegt stets griffbereit im Auto", lacht die 44-Jährige.

Wenn sie unterwegs ist und gute Farbgestaltungen entdeckt, werden sie mit dem Fotoapparat dokumentiert, aber auch schlechte Beispiele werden von ihr als Anschauungsobjekte gesammelt.

Annette Jahn: "Der Kunde ist König"

Nach den Vorstellungen von Annette Jahn können Kunden, falls sie es wünschen, eine ausführliche Farb- und Materialberatung von ihr erhalten. Infrage kommen Aufträge von einzelnen Räumen bis zur Gestaltung von Einfamilienhäusern, Doppel-, Reihen- oder sogar Mehrfamilienhäusern. Auch die Farbgestaltung historischer Gebäude gehört zu ihrem Aufgabenspektrum. Dabei stehen die Wünsche des Kunden im Mittelpunkt, und nicht persönliche Vorlieben.

Um dem Geschmack des Kunden auf die Spur zu kommen, frage sie beispielsweise gerne nach dem Lieblingsurlaubsziel des Kunden bei Beratungsgesprächen und was der Urlaubskoffer auf jeden Fall beinhalten sollte. "Dabei kann man über Wünsche und Vorlieben des Klienten in Bezug auf Farbe und Materialien ganz viel herausbekommen", erläutert Annette Jahn.

Für die Fassadengestaltung rät Annette Jahn, sich an der Umgebungsbebauung zu orientieren, Baustil und Alter der Immobilie spielen ebenso eine Rolle, für welche Farbgestaltung man sich schließlich entscheidet.

Für wichtig hält die Farbgestalterin, dass die Entscheidung für eine bestimmte Farbgestaltung für den Klienten nachvollziehbar sein müsse."Warum man die und nicht eine andere Farbe auswählt, das muss schlüssig begründet werden können", sagt sie.

Bei ihren Entwürfen bleibt Annette Jahn beim Bewährten: Demonstrationen am Computerbildschirm sind für sie lediglich unter bestimmten Umständen sinnvoll. Stattdessen hält sie es so, wie sie es an der Akademie gelernt hat. Alle Entwürfe werden von ihr von Hand gezeichnet und koloriert.

Denn am Computer bestünde die Gefahr, dass die Farbentwürfe verfälscht wiedergegeben würden. "Zeichnen von Hand ist zwar zeitlich aufwendig, dafür haptisch wertig", sagt Annette Jahn über ihre Entwürfe, die auch die Materialart wiedergeben und vom Kunden als Muster befühlt werden können.

Bei der Farbgestaltung lässt sich Jahn gerne aus der Natur inspirieren, vor allem wenn es um Mehrfarbigkeit geht. Während ihrer Ausbildung habe unter den Studierenden ein Experiment besonders für Verblüffung gesorgt, berichtet sie.

Die Aufgabe habe darin bestanden, verschiedene Fotoaufnahmen von Landschaften wie beispielsweise eine Blumenwiese im Frühling oder ein Waldgebiet im Herbst farblich aufzurastern. Die Ergebnisse hätten alle überrascht: trotz unterschiedlicher Farben hätten die Farbtöne miteinander stets harmonisiert. "Wenn verschiedene Farben aufeinandertreffen, müssen sie dem Betrachter den Eindruck vermitteln, dass die Kombination in sich stimmig ist - die Natur ist dafür ein wunderbarer Berater", sagt Annette Jahn.

Den Original-Zeitungs-Artikel entnehmen Sie bitte dem PDF-Dokument im Anhang.

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